Wir reden über seine zweite Karriere, die langsam so richtig
in Fahrt kommt. Mayer war 2004 der Aufsteiger des Jahres, spielte sich aus dem
Nichts ins Viertelfinale von Wimbledon, ins Davis Cup-Team und zu den
Olympischen Spielen. In den Jahren danach zweifelte er regelmäßig an seinem
Leben als Tennisprofi und zog 2008 die Notbremse: Pause! Für acht Monate. Er
kam Ende 2008 zurück bei den Deutschen Meisterschaften, holte den Titel und
begab sich auf die Ochsentour: Challenger-Events, Qualifikationen, kleine
ATP-Turniere. Jetzt steht Mayer wieder knapp vor den ersten 60 der
Weltrangliste, erreichte jüngst die dritte Runde bei den Australian Open.
„Ich kann nun alles besser genießen”
„Ich bin stärker als früher“, sagt er. „Und viel
gefestigter. Ich kann das nun alles besser verarbeiten und auch genießen.“ Er
redet viel über seine Motivationsprobleme von damals und seine wiedergefundene
Lust am Tennis. Eine Plaudertasche ist nicht aus ihm geworden. Immer noch ist
er zurückhaltend. Allzu private Details behält er lieber für sich. Aber Mayer
hat sich dennoch gewandelt. Er ist offener geworden, lacht oft, erzählt kurze
Anekdoten aus der Zeit seiner „Sinnkrise“. Auffällig auch: Körperlich hat er
mächtig zugelegt. „Tja, das ist das Ergebnis meines Krafttrainings“, räumt er
ein und schaut an sich herunter.
Tobias Summerer tourt nun mit ihm um die Welt. Er war früher
selbst Profi und wurde, wie Mayer, in der FORMAXX TennisBase von Oberhaching
ausgebildet. Knieprobleme beendeten seine aktive Karriere. Nun unterstützt er
seinen früheren Trainingspartner. Er kann am Folgetag beobachten, wie Mayer in
Rotterdam die erste Runde übersteht. In einem Drei-Stunden-Krimi besiegte sein
Schützling den „machbaren“ Tipsarevic: 6:3, 6:7, 7:6. Im dritten Durchgang
führte Mayer schon 3:0, dann wurde es doch noch einmal eng. Aber er kämpfte
sich durch.
„Ich bin einfach heiß auf Siege“, hatte Mayer schon beim
Interview gesagt. Eins ist klar: Der „Flo“ hüpft wieder.
Tim Böseler
Das komplette Interview mit Florian Mayer können Sie in der Ausgabe 4/2010 lesen (erscheint am 20. März 2010).