Mein Match gegen den „Djoker”
Beim ATP-Turnier in Brisbane spielte unser Kolumnist Andreas Mies mit seinem Partner Alexander Erler gegen Novak Djokovic und Nick Kyrgios – ein Highlight seiner Karriere.
Beim Abschlusstraining in Köln kurz vor dem Abflug nach Australien scherzte mein Coach Dirk Hortian: „Ich wette, ihr müsst gegen Djokovic und Kyrgios ran.“ Kurz darauf stand fest: Mein Partner Alexander Erler und ich bekamen tatsächlich zum Saisonstart in Brisbane die beiden Publikumslieblinge zugelost. Dirk textete: „Geh raus und zeig’ Nole, wie Doppel geht!“ Um es vorwegzunehmen: Wir verloren die Partie, 8:10 im Champions Tiebreak. Es war dennoch ein Highlight voller Anekdoten, wovon ich gerne ein paar raushaue.
Spektakulär war schon, wie es überhaupt zu der Paarung kam. In Wimbledon war Nick Kyrgios als TV- Experte vor Ort. Einmal schlug er Djokovic vor einem seiner Matches ein, was allein schon witzig ist, und meinte: „Wenn ich wieder auf der Tour bin, spielen wir zusammen Doppel.“
Djokovic: „Schatz, wie geht es dir?”
Ich habe gegen beide schon gespielt. Ich komme mit Nole und Nick gut klar. Man sieht sich regelmäßig in der Umkleide. Nick mag das Bad Boy-Image haben, aber er ist kein schlechter Typ und wichtig für die Tour. Djokovic scherzt immer auf Deutsch: „Schatzi, wie geht es dir?“ Als wir uns in Brisbane kurz vor dem Match trafen, meinte er: „Lach’ mich bitte nicht aus. Ich habe lange
nicht gespielt.“ Der Scherzkeks. Djokovic ist neben Federer und Tommy Haas mein Idol. Er ist der beste Spieler aller Zeiten. Als ich das erste Mal 2019 in Shanghai gegen ihn spielte, habe ich eine Menge gelernt. Er schlug drei Returnwinner in Folge, als wäre es für ihn das Selbstverständlichste auf der Welt. Wir waren zu durchschaubar. Es ist unglaublich, wie er das Spiel lesen kann.
Vor dem Match in Brisbane war Alex und mir klar, dass wir viel mixen müssen. Als es los ging, knisterte es. Prime time in der rappelvollen Pat Rafter Arena vor 5.500 Zuschauern. Das Medieninteresse war riesig. Alle haben auf dieses spektakuläre Duo Djokovic/Kyrgios hingefiebert. Wenn ich nicht selbst gegen sie gespielt hätte, hätte ich mir die Show angeschaut. Den ersten Satz verloren wir 4:6, den zweiten holten wir uns mit 7:6. Im Champions Tiebreak schlägt Kyrgios auf mich bei 9:8 auf. Ass nach außen – wir verlieren das Match.
Djokovic macht alles, um sich zu verbessern
Ich war mir sicher, er würde in die Mitte servieren. Das hatte er vorher fast jedes Mal in den wichtigen Situationen gemacht. Wenn Kyrgios aufschlägt, fühlst du dich wie ein Torwart beim Elfmeterschießen. Du musst dich für eine Ecke entscheiden. Nach dem Match sitze ich neben Djokovic beim Cooldown auf dem Ergometer. Das Verrückte: Er wusste, dass ich auf die Mitte spekulieren würde und hatte Nick gesteckt: „Servier’ nach außen.“ Das erzählte er mir grinsend auf dem Fahrrad.
Das Faszinierende bei Djokovic ist: Er macht praktisch alles, um sich zu verbessern. Er fragte mich: „Andy, wie habe ich aufgeschlagen?“ Das war kein Small Talk, er wollte es wirklich wissen. Ich sagte ihm, dass es gegen ihn als Returnspieler nicht leichter ist als gegen Nick. Weil er mit so einer hohen Quote beim Ersten serviert. Von der Härte her war es vergleichbar mit Nick, weil der nach seiner Handgelenks-OP „nur“ mit 200 km/h und nicht wie sonst mit 220 Sachen aufschlug.
Nole wollte außerdem wissen: „Wie war meine Position am Netz?“ Und ich antwortete ihm ehrlich, dass er manchmal noch aggressiver die Mitte abdecken könnte. Als wir fertig waren, ging er zum Stretchen und besprach mit seinem Analytiker sein Doppelspiel und die Returnposition. Am nächsten Tag sah ich, wie er das übte, was nicht klappte – Wow!