Tennis – Australian Open  –  Melbourne  Park – Melbourne – Victoria – Australia  – 22/01/2025.

Weltmeister-Doppel: Kevin Krawietz und Tim Pütz bei den Australian open 2025. Bild: IMAGO / Hasenkopf

Warum das Doppel mehr Beachtung und Wertschätzung verdient hat

Bei den Profis wird das Doppel weiter an den Rand gedrängt, obwohl es für viele Amateure gerade in höheren Altersklassen an Bedeutung gewinnt. Eine schlechte Entwicklung, die dem Tour-Gefüge schaden wird, befürchten die Sandplatzgötter

Kevin Krawietz hat in den letzten Wochen deutsche Tennisgeschichte geschrieben, weil er als erster männlicher DTB-Profi bis auf Platz fünf der Weltrangliste geklettert ist – im Doppel allerdings. Ein Fakt, den seine Erfolgsgeschichte zu allen Profi-Tenniszeiten ­deutlich geschmälert hätte, kein Problem. Aktuell aber hat der Doppel-Wettbewerb einen besonders schweren Stand. Weil alle, die irgendwie mitentscheiden, wann, wo, nach welchem Regelwerk und vor wie viel Live- und TV-Publikum zu viert Profitennis gespielt wird, es sich anscheinend zur Aufgabe gemacht haben, das Doppel noch weiter zu verzwergen – wobei es doch eh schon so klein ist.

Das Doppel verliert sogar seinen „Vorband-Status“

Der Doppelwettbewerb wird, was Zeitplan, Court-Vergabe und Präsenz in der sozial-medialen Außen­darstellung von Turnieren angeht, schon länger ganz an den Rand gedrängt und dient höchstens noch gegen Turnierende dazu, etwas Aktion auf den großen ­Plätzen anbieten zu können, bevor dann das richtige (Einzel-)Spektakel losgeht.

Doppel

Grand Slam-Champions mitten in der Nacht: Harri Heliovaara und Henry Patten freuen sich über ihren Grand Slam-Titel in Melbourne – vor sehr wenigen Zuschauern.Bild: IMAGO / Xinhua

Neulich bei den Australian Open hat das ­Herrendoppel sogar noch diesen „Vorband-Status“ ­verloren und wurde hinter das Endspiel der Damen verbannt, wodurch Harri Heliövaara und Henry ­Patten ihren ­Triumph über Simone Bolelli/Andrea ­Vavassori um 01:43 Uhr Ortszeit vor – grob gesagt – ihren ­eigenen Betreuerteams und der Handvoll Zuschauer, die die letzte Bahn Richtung Melbourner Innenstadt verpasst hatten, feiern durften. Dass den Vieren nicht irgendwann das Licht in der Rod Laver Arena abgedreht wurde, war so ­ziemlich alles, was an Wertschätzung übrigblieb.

Doppel bald nur noch als komplette Randnotiz

Es drängt sich das Gefühl auf, dass das Doppel Gefahr läuft, den Weg der Mixed-Wettbewerbe zu gehen: Rest-Existenz als komplette Randnotiz, die bei den US Open sogar aus dem eigentlichen Turnier ­heraus in die Quali-Woche verbannt wird.

Auch der finanzielle Aspekt zeigt deutlich auf, ­welche Wertigkeit der Wettbewerb im Vergleich zum Einzel für die Verantwortlichen hat. Casper Ruud, ­Krawietz’ aktuelles Weltranglisten-Pendant im Einzel, hat zu dem Zeitpunkt, an dem diese Kolumne verfasst wird, mit Einsätzen beim United Cup, einem Match­erfolg bei den Australian Open und einer Finalteilnahme in Dallas 2025 schon mehr als 700.000 Dollar eingespielt. Krawietz kommt, inklusive einer Finalteilnahme in Adelaide und der Vorschlussrunde beim Grand Slam in Melbourne, nicht mal auf 100.000.

Sein Karrierepreisgeld beläuft sich nach 15 ­Jahren auf der Tour mit zwei Grand Slam-Siegen und dem Gewinn der ATP Finals 2024 auf vier ­Millionen Dollar. War der zusätzliche Einsatz im ­Doppel früher auch für bekannte Einzelspieler ein attraktives Zubrot, wodurch im Umkehrschluss die Doppelfelder zu mehr Star-Power und erhöhter Attraktivität kamen, ist die Preisgeldgestaltung im Doppel inzwischen zu weit weg von den exorbitanten ­Verdienstmöglichkeiten im Einzel.

Für Viele ist Doppel die altersgerechtere Spielvariante

Die spielerische und atmosphärische ­Attraktivität, die das Doppel dem Fan bietet und die es vom Bezirksklassen-Medenspiel bis hin zum Profi-Teamwettbewerb ständig unter Beweis stellt, scheint dabei im ­normalen Profi-Turnierbetrieb für die strategischen Entscheider keine Rolle zu spielen. Kürzere (und vielfach bessere) Ballwechsel und damit kürzere Matches sowie für den Zuschauer nachvollziehbarer emotionaler und taktischer Austausch: Im Einzel wird an Rezepten herumgedoktert, genau das dem Abo- oder Ticket-zahlenden Publikum bieten zu können.

Der Wettbewerb, der all das schon automatisch implementiert hat und zudem ein erhöhtes Identifikationspotenzial für Amateure hat, für die das Doppel zur altersgerechteren Spielvariante geworden ist, wird aber so behandelt, als würde man vorwiegend gerne Argumente dafür sammeln, ihn mittel- bis langfristig aus dem Disziplin-Portfolio nehmen zu können. Ein echter Doppelfehler.

Sandplatzgötter Rothenbaum

Sandplatzgötter: Die Medenmannschaft des TC ­Rot-Gold Voerde (Niederrhein) tritt in der Herren 40-Bezirksliga an. Für tennis MAGAZIN kommentiert sie das Tour-Geschehen.