Flashback: Als Ilie Nastase sich zum Sieg streikte
Vor 50 Jahren, am 5. April 1975, gewann Ilie Nastase beim ATP-Turnier in Tucson gegen Ken Rosewall auf zweifelhafte Weise.
Ilie Nastase war als eines, wenn nicht das größte Enfant terrible auf der ATP-Tour bekannt. Im Halbfinale beim ATP-Turnier in Tuscon (USA) spielte sich eine bizarre Episode um den damals 29-jährigen Rumänen ab. Nastase stand gegen den 40-jährigen Ken Rosewall kurz vor dem Matchverlust und lag mit 3:6, 4:5 zurück. Rosewall servierte zum Sieg und glich in seinem Aufschlagspiel mit einem Ass zum 15:15 aus.
Ilie Nastase: „Ich möchte nicht mehr spielen”
Nastase wollte die Entscheidung über das Ass nicht wahrhaben und sagte zum Schiedsrichter: „Ich möchte nicht mehr spielen.“ Der Rumäne nahm sich sein Handtuch und setzte sich auf seine Bank. Laut ATP-Regeln hätte Nastase disqualifiziert werden können, stattdessen ging es nach ein paar Minuten Spielstreik von Nastase weiter. Rosewall verlor dadurch seine Konzentration und insgesamt zehn Punkte und acht Spiele in Folge. Nastase gewann schließlich mit 3:6, 7:5, 6:2. „Das hat mein Momentum gebrochen“, sagte Rosewall hinterher.
Nastase zeigte sich nach dem Sieg nur wenig einsichtig wegen seines Verhaltens. „Vielleicht war es falsch, was ich getan habe, aber ich habe nicht daran gedacht, ihn aufzuregen. Er ist der schwierigste Spieler für mich und weiß immer noch nicht, wie ich ihn geschlagen habe. Ich habe keinen Respekt für keinen anderen Spieler auf dem Platz. Wenn du Respekt hast, solltest du nicht spielen. Aber ich respektiere ihn.“
Nach dem Sieg von Nastase gingen im Tennisclub des ausgetragenen ATP-Turniers in Tuscon wütende Telefonanrufe von vielen Fernsehzuschauern ein, die sich über das Verhalten des Rumänen aufregten.
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